Warum die Todesstrafe angezweifelt werden kann
Joaquin José Martinez wurde mit 24 Jahren zum ersten Europäer, der in den Todestrakt in den USA kam und der einzige, der diesen lebend verließ.
Joaquin José Martinez hatte mit 24 den Amerikanischen Traum vollendet:
Ein Haus am Meer, eine eigene Firma, einen Sportwagen, eine Frau und zwei Töchter. Er war glücklich. Bis er sich scheiden ließ…
Zur selben Zeit fand in Florida ein schrecklicher Mord statt und es wurde lange kein Täter gefunden.
Die Ex-Frau vom José Martinez wollte sich an ihm wegen der Scheidung rächen und meldete der Polizei, dass dieser ihr den Mord gestanden hätte (was natürlich völliger Unsinn war).
Eines Tages holte Joaquin José Martinez seine Kinder von seiner Ex-Frau ab, um mit ihnen ein Wochenende zu verbringen. Kurze Zeit später an einer Kreuzung wurde das Auto von mehreren Duzend Polizeiwagen umkreist und Helikopter mit Scharfschützen und Maschinengewehren kreisten über ihm. Er wurde vor den Augen seiner zwei und drei Jahre alten Kinder auf den Boden geworfen, brutal behandelt und verhaftet.
Nach einem kurzen Gerichtsverfahren lautete das Urteil: Tod durch den Elektrischen Stuhl.
Es war ein Schock für Joaquin José Martinez. Kurz bevor er ins Gefängnis ging um auf seine Exekution zur warten (was manchmal über 10 Jahre dauert) sagte sein Vater zu ihm: „Ich tue alles was möglich ist, um dich da herauszuholen“.
Und das tat er. Nicht nur Menschenrechtsorganisationen versuchten ein neues Verfahren anzustreben, auch der König von Spanien, die Europäische Union und sogar der Papst wandten sich an die Vereinigten Staaten von Amerika.
Schließlich, nach über einem Jahr im Todestrakt, in dem alle seine Freunde (auch zum Tode Verurteilte) umgebracht worden sind, bekam er einen neuen Gerichtstermin…
Und seine Unschuld wurde bewiesen.
Doch dass das die Ausnahme ist zeigt die Geschichte von Frank, einem Freund vom José Martinez.
Frank wurde wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen zum Tode verurteilt.
Er wurde (wie alle anderen Insassen auch) von den Wärtern regelmäßig gedemütigt und geschlagen.
Nach dreizehn Jahren im Todestrakt erkrankte er an Krebs und kam auf die Krankenstation. Dort lag er, Tag für Tag, auf einem Stahlbett, an Händen und Füßen gefesselt, sodass er sich nicht bewegen konnte. Bevor er starb, hatte er noch einen letzten Wunsch: Man sollte den (damals neuen) DNA-Test bei ihm machen, um zu beweisen, dass er unschuldig war. Ein halbes Jahr nach seinem Tod kam das Ergebnis… und Frank war unschuldig gestorben…
Zuvor sagten die Justizbeamten bei Franks Tod noch (sinngemäß): „Verdammt, der ist uns entwischt, den konnten wir nicht umbringen!“
Joaquin José Martinez lebt heute in Spanien, neu verheiratet und hat ist vor wenigen Wochen erneut Vater geworden.
Alle Informationen aus diesem Text entstammen dem Vortrag: „Nein zur Todesstrafe“ der Gemeinschaft Sant’ Egidio auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag 2010 in München.
Der Vortrag fand am 15.05.2010 ab 16.00 Uhr im Zentrum Jugend statt.
Ich kann leider nicht den ganzen Vortrag wieder geben, da ich mir an dem Tag keine Notizen gemacht habe. Wenn ihr euch weiter informieren wollt (und des Spanischen einigermaßen mächtig seid, besucht www.joaquinjosemartinez.com )
Foto:Â Flickr.com / World Coalition Against the Death Penalty / CC-License