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Für Qualitätsjournalismus im Web bezahlen?

Für Qualitätsjournalismus im Web bezahlen?

Unlängst haben Verläge und Redaktionen entdeckt, dass man aus namhaften Printmedien gutes Geld machen kann, wenn man sich neben der Herausgabe des Mediums auch auf die Digitalisierung ihrer Nachrichten konzentriert, dabei diese direkt auf eine Webseite wiedergibt und durch Werbeschaltung zumindest eine kleinen Gewinn zu erzielen. Doch offenbar will man sich in Zukunft immer mehr auf das neue Medium Internet konzentrieren, erste Schritte werden schon angegangen. Doch sollen plötzlich aus der Vergangenheit bekannte Nachrichtenportale Geld verlangen, nur weil sie den (von ihrer Redaktion definierten) Qualitätsjournalismus neu erfinden und auf eine Art wiedergeben, die die Zukunft beschreiben soll?

Marcus Theurer, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen, berichtet in seinem Artikel “Zahlende Leser im Internet” vom 2. November 2010 wie der Londoner Online Dienst des Printmediums “The Times” unter dem amerikanischen Konzern News Corp. für die Öffentlichkeit unzugänglich geschaltet wurde, nur Ausschnitte konnten “angelesen” werden. Wer mehr wollte, sollte bezahlen. 1£ pro Tag (1,15 € – aktuelle Umrechnung: 1:1,1427) kostet der Zugang für Abonnementen, Empfänger des Printmediums durften den Online Dienst kostenlos nutzen (dafür war ein Gutscheincode einzufordern).

Nach nun drei Monaten zieht der Konzern eine erste Bilanz: Auf der Internetseite registrierten sich 105.000 Kunden, um den Qualitätsjournalismus auch weiterhin genießen zu dürfen und das möglichst in digitaler Form. Etwa genauso viele Abonnementen der Zeitungen “The Times” und “Sunday Times” (genaue Zahl sind 100.000) haben die Chance genutzt und einen Gutscheincode eingefordert. Demnach sind es also 205.000 Kunden, die den Online-Dienst aktiv bis ab und an nutzen, was einen Umsatz von 100.000£ pro Tag macht, also rund 3 Millionen im Monat; alle Zweifel sind also verblasst, dass diese Geschäftsidee mehr als rentabel ist, auch wenn sie nicht mehr neu ist.

Bereits im letzten Jahr sah man zwei Applikationen für das Apple Smartphone “iPhone” hervorstrahlen und den Anfang machen: BILD (0,79 € – einmalig) und WELT MOBIL (1,59 € – einmalig). Diese integrierten in ihrer App (kurz: Applikation) alle Artikel, die auch auf der Webseite erschienen und bieten ihren Kunden schon bis jetzt eine PDF-Variante ihrer (fast) täglich erscheinenden Zeitung an. Hier gestaltete sich das Preismodell relativ günstig, wenn man bedenkt, dass die Zeitungen jeden Tag bereits ab 22 Uhr zugänglich waren und vom Kiosk im Monat bedeutend teurer sind. So reichten die Preise von 1,59 € bis 4,99 €, wobei man allerdings auch differenzieren musste, ob man nur den Online Dienst nutzen möchte und weniger monatlich zahlt, oder eben auch die PDF-Version der jeweiligen Zeitung abrufen wollte und dann eben auch mehr zahlt.

Das Bezahlmodell scheint sich also durchaus durchzusetzen. Doch bedenken wir mal, dass man bei einer Zeitung Papier in den Händen hält, welches man mal eben zusammenfalten und wegstecken kann, einen Artikel kann man bei einem iPad oder WeTab nicht mal eben rausreißen und in ein Fotoalbum kleben, eine Druckfunktion gibt es auch (noch) nicht, sodass man sich betreffenden Artikel vielleicht ausdrucken könnte. Und sind Druckerzeugnisse nicht auch viel komfortabler?

Meiner Meinung nach wird der Trend hin zum Internet sich garantiert fortsetzen, das Printmedium an sich wird sicher auch noch eine Weile erhalten bleiben, aber sicher in Grenzen. Die Zukunft ist es, was die Zeitungsbranche derzeitig interessiert. Einerseits gibt es da noch die ältere Generation, die auf Computer und Internet verzichtet und sich eben eine morgendliche Zeitung mit auf die Toilette nimmt, andererseits gibt es da die durchaus große und junge Generation, die die Nachrichten bevorzugt im Internet lesen möchte. Daher ist es sicher angebracht, dass die Zeitungsbranche da mitzieht, aber dann doch auch bitte mit vernünftigen Gebühren.

(Quelle: F.A.Z.)


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